Wikinger und Christentum
Das, was am 8.6.793 n. Ztw. geschah, wollen wir keineswegs beschönigen. Es löste einen Aufschrei in der christlichen Welt aus. Norwegische Wikinger hatten das von irischen Mönchen erbaute Kloster Lindisfarne, an der Grenze zwischen England und Schottland gelegen, überfallen. Vorbei war es mit der Verehrung der Reliquien der "Heiligen" Cuthbert und Aidan. Die Insassen von ein paar Drachenschiffen waren an Land gestürmt, hatten den Mönchen die Kleider vom Leibe gerissen, das Steinkreuz des Bischofs Ethelwold umgestoßen, alle Klosterschätze geraubt, das Vieh geschlachtet und das Fleisch an Bord gebracht. Wer sich nicht männlich wehrte, war niedergeschlagen worden. Sie verschwanden ebenso plötzlich, wie sie gekommen waren. Zögernd kehrten die Mönche zurück zu den rauchenden Trümmern und begannen das Kloster wieder aufzubauen, das sie 850 erneut verließen.
Was war wirklich geschehen?
Männer, die wochenlang auf hoher See sind, müssen manchmal an Land gehen, um Verpflegung zu besorgen oder sich auszuruhen. Eine fremde Bevölkerung wird sie nicht freundlich aufnehmen, also müssen Frischfleisch und Wasser mit Gewalt beschafft werden. Die Nordleute handelten an jenem Tag in Lindisfarne zunächst nach ungeschriebenem Seefahrerrecht. Sie erschlugen das Vieh und nahmen es mit. Damit haben die Schriftquellen, ohne es zu wollen, den eigentlichen Zweck der Landung genannt.
Gewiß haben die Wikinger später, zu Hause, an der Westküste Norwegens, von ihrer Tat erzählt und ihre Beute gezeigt. So leicht also konnte man Schätze erbeuten, so ungeschützt lagen sie an der britischen Küste jenseits des Meeres. Man mußte nur segeln können - und das konnten sie fürwahr! Und schon im nächsten Sommer tauchten Drachenschiffe vor den Klöstern Jarrow und Monkwearmouth, Rechru, Skye und der Insel Jona, in der irischen See gelegen, auf. Mit gutem Ergebnis wurden sie ausgeräumt und geplündert. Von 799 an wurde auch die nun zum Frankenreich gehörende friesische Küste "besucht", und Karl der "Große" mußte eiligst eine Küstenwache einrichten. Sein tatkräftiger Gegenspieler im Norden, König Godfred von Dänemark, nutzte ebenfalls den Augenblick und zog mit einem Pulk von 200 Schiffen gegen Friesland. Nach Erhalt eines Lösegelds von 100 Pfund Silber - fortan "Danegeld" genannt - zog er wieder ab. Der Chronist des Kaisers schreibt ironisch von Godfred:
"Er betrachtet Friesland und Sachsen vollständig als eigene Besitzungen und beabsichtigt in Kürze mit einem großen Heer nach Aachen vorzustoßen!"
Aber Godfred wurde kurz darauf ermordet, und seine Söhne vermochten kein so großes Aufgebot zu sammeln. Dennoch gelang es Gruppen von Wikingern, etwa um 814, bis zur Loiremündung vorzustoßen.
Lindisfarne war der Auftakt zu einer wechselvollen Begegnung der heidnisch gebliebenen Wikinger mit dem Christentum. Die orientalische Lehre hatte sich gerade das Abendland gewaltsam unterjocht, dabei die Sitten und Denkungweise unserer Vorfahren nach Art einer "Gehirnwäsche" verbogen und glaubte sich nun ihres Sieges sicher. Da kamen die Wikinger. Ihre Taktik war der Blitzkrieg. Er war im Süden mit seinen langsam ziehenden Heeren unbekannt. Die Segler tauchten im Frühjahr irgendwo am Horizont auf und waren bald gelandet. Die Küstenwache konnte gar nicht so schnell zur Stelle sein, wie die stark bewaffneten Männer an Land gingen. In raschen Schlägen vollführten sie ihren Angriff. An der Beweglichkeit ihrer Kriegführung scheiterte jede planmäßige Verteidigung. Und auch ihrer Organisation in der Heimat war weder mit Diplomatie noch mit Gegenmaßnahmen beizukommen, denn sie bestand aus einem losen, durch die Freundschaft der Sippen untereinander verbundenen Staatensystem.
Jeder Bauer und Krieger des Nordens war sein eigener Herr. Es gab starke Bindungen an die Sippe und die Familie. Könige hatten nur soviel Macht, wie sie sich mit Hilfe ihrer Gefolgsleute verschaffen konnten. Eine Staatsgewalt im modernen Sinne gab es nicht. Eine Schiffsmannschaft konnte ihren eigenen Krieg führen, wenn es ihr vorteilhaft erschien, eine Flotte von zwanzig Schiffen stellte schon eine bedrohliche Macht dar. Man führte Kleinkriege, so wie sich noch im Mittelalter einzelne Ritterburgen gegenseitig bekämpften. Aber aus den anfänglichen Beutezügen einzelner Gruppen entwickelten sich allmählich wirkliche, große Feldzüge, Landnahmen, Kolonien und Herrschaften über Land- und Wasserwege.
Die christlichen Geschichtsschreiber haben es über Jahrhunderte fertiggebracht, uns beizubringen, die Kreuzzüge und Kriege der Päpste, trotz ihrer hunderttausendfachen menschlichen Tragödien, als "nicht so schlimm" zu betrachten. Gegen die Angriffe der Wikinger sollten unsere Vorfahren gefälligst auch eine innere Empörung zeigen. Deshalb klagten die Mönchsschreiber rund 250 Jahre lang über diese "Geißel Gottes" und nannten die nordischen Krieger "Piraten, Mörder, Räuber, Schänder, Plünderer, Barbaren, Wüteriche, Teufel - eben Heiden". Wir Heutigen wollen aber nicht vergessen, daß aus den Wikingerzügen etliche Großtaten erwuchsen, von denen die Fernhandelsfahrten sowie die Entdeckung fremder Länder und Kontinente nur beispielhaft genannt seien.
Nicht vergessen sollten wir, daß die Wikinger auch Hervorragendes als Händler leisteten. Zum Handeln aber braucht man Frieden, und daher gab es seit jeher einen heiligen "Kauffrieden" in Skandinavien. An bestimmten Tagen strömten Freunde und Feinde an den heiligen Orten zusammen. Jeder verrichtete sein Opfer an die Götter, kein Blut durfte vergossen werden.
An diesen Tagen blühte auch der Tauschhandel, und der Gedanke des Kauffriedens nahm immer mehr Raum ein. Mit der Gründung der Handelsstädte Haithabu, Birka und Skiringsal wurde er verwirklicht: Kauffrieden das ganze Jahr hindurch, ohne kultische Bindung, duldsam gegenüber andersgläubigen oder ausländischen Händlern, die ihre Waren gar nicht anders hätten anbieten können. Diesen Frieden überwachten Beauftragte des Königs, "Wikgrafen" genannt. Wir sollten diese Leistung der Wikinger, diesen neuen und kühnen Gedanken der Gründung von Handelszentren inmitten einer rein bäuerlichen und kriegerischen Umgebung, zu würdigen wissen: Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist keine christliche Tradition - sie erwuchs im Norden!
Der Kauffrieden bewirkte, was er bezwecken sollte: Händler aus allen Teilen der damaligen Welt bewegten sich ungehindert im Norden. Der Chronist Rimbert erzählt von einer Christin, die im schwedischen Birka "etwas Wein für ihre Mutter gekauft" hatte. Wein in Birka aber bedeutet, daß es Handel mit dem Frankenreich des Kaisers Karl gegeben haben mußte. Und so war es auch.
Im christlichen Frankenreich hatte die orientalische Religion "erfolgreich" die Duldsamkeit unserer Ahnen verformt. Hier durfte Handel nur von Christen getätigt werden. Wollte ein nordischer Händler z. B. seine Pelze verkaufen, mußte er sich vorher taufen lassen. Viele taten das aus Existenznot, innerlich stieß sie das Christentum weiterhin ab.
Die Kunde drang zu des Kaisers Ohr. Dort oben im Norden gab es aufgeschlossene Menschen. Religionsfreiheit und Schutz für das eigene Leben. In Haithabu und Birka müßte man anfangen, hier müßte das Christentum verkündet werden. Die Wikinger zu bekehren - das wäre überhaupt die geniale Lösung, um die lästigen Küstenüberfälle im Keim zu ersticken. Als Christen würden die Nordleute die Klöster nicht plündern, für eigene, christliche Feldzüge wären sie dann höchst brauchbar. Missionare, die schon früher nach Skandinavien vorgestoßen waren, hatten allerdings berichtet, der dänische König sei "härter als ein Stein und wilder als ein Tier". Das war eindeutig.
Willibrord, ein vom Haß auf das friesische Heidentum gezeichneter Missionar und zeitlebens mit dessen Zerstörung beschäftigt, war um 700 in den Norden gezogen. Mit 30 dänischen Jünglingen war er zurückgekehrt. Sie sollten zum christlichen Glauben erzogen werden. Willibrords Missionsversuch war bekanntlich nicht sehr erfolgreich. Die Nordleute fanden es z.B. geeignet, sämtliche Beschläge von Reliquienkästchen und "Heiligen Schriften" in Kleiderspangen umzuarbeiten, womit sie diese einer nutzbringenden Aufgabe zuführten. Lange Zeit war es nach Willibrords Anfangsversuch ruhig. Erst um 777 hören wir von Neuigkeiten an der Missionsfront:
"Viele Nordleute wurden an einer Stelle getauft, die Orhaim genannt wird, jenseits des Flusses Obacrum." Zwei Jahre später fragt der Missionar Alkuin, "ob es wohl eine Hoffnung gäbe, die Dänen doch noch zu bekehren". Im heidnischen Norden konnte Handel treiben, wer immer es wollte. Zu den Göttern unserer Vorfahren brauchte er sich deswegen nicht zu bekennen. Nun bestand aber im Norden ein Bedarf an Waren, die im christlichen, fränkischen Reich erzeugt wurden. Also blieb den Nordleuten meist nichts anderes übrig, als sich zum Zwecke einer Handelserlaubnis im Frankenreich taufen zu lassen. Das sahen die Mönche gern und auch der christliche Kaiser. Sie wußten genau, wie man menschliche Schwächen, verbunden mit äußerem Druck, ausnutzen kann. Wäre nicht vielleicht ein Taufhemd aus gutem, friesischen Tuch ein geeignetes Geschenk, das zur Bekehrung verstärkt anreizen könnte? Plötzlich war die Nachfrage nach Taufhemden dermaßen groß, daß die friesische Heimweberei die kaiserlichen Bestellungen nicht rasch genug erledigen konnte. Man mußte bei der unerwartet hohen "Bekehrungsfreudigkeit" zur groben, sackleinenen Ersatzware greifen. Die nordischen Händler merkten es sofort, weshalb ein Täufling erbost ausrief: "Zwanzigmal habe ich mich von euch waschen (taufen) lassen, aber noch nie hat man mir so schlechtes Zeug dabei angeboten!"
Rasch erkannten Kirche und Kaiser, daß eine Mission im großen Stil auf diese Art nicht zu machen war. Wenn das Christentum auf Freiwilligkeit gegründet worden wäre, dann wäre es nicht weit über die zwölf Apostel hinausgekommen. Nein, Lug und Trug, Hinterlist und Gewalt, am besten eine Mischung von allem, mußten her, damit diese stolzen, freien und selbstbewußten Söhne des Nordens zu Kreuze krochen.
Eine günstige Gelegenheit bot sich, als König Godfreds Söhne einen Kleinkönig namens Harald Klak aus Dänemark vertrieben. Er bat um Aufnahme beim Kaiser, und dieser führte demonstrativ vor, wie gut es doch nordischen Herrschern gehe, wenn sie im Einvernehmen mit dem Kaiser stünden. Unter Aufbietung aller Pracht wurde Harald Klak mit Frau und Sohn im Jahre 826 in Ingelheim getauft. Als Lehen erhielt er einen guten Landstrich an der Wesermündung, um sein Leben in Wohlstand führen zu können. Der Kaiser hoffte, daß die Wikinger einen der Ihren doch wohl in Ruhe lassen würden. Insbesondere erschien ihm Harald Klak der richtige Mann zu sein, mit dessen Hilfe es gelingen könnte, einen Missionar nach Dänemark einzuschleusen. Ein solcher war zur Hand, Ansgar war sein Name.
Bepackt mit kaiserlichen Geschenken und seinen kirchlichen Zaubergeräten zog er in Begleitung des Mönchs Autbert den Rhein hinab zur Nordsee und segelte nach Dänemark. Von der Missionsarbeit weiß der Chronist Rimbert keinen Erfolg zu verzeichnen. Dennoch ließ der Kaiser - inzwischen war Ludwig der Fromme in dieses Amt aufgestiegen - nicht ab von seinem Lieblingsgedanken. Er wollte den Wikingergeist von innen her vernichten. Die Missionare sollten eine "fünfte Kolonne" bilden, die Toleranz der Nordleute sollte zu ihrem Untergang ausgenützt werden.
Die Gelegenheit kam, als Gesandte des Schwedenkönigs aus Birka nach Worms zum Reichstag im Jahre 829 kamen und Handelsverträge abschließen wollten. Der Kaiser ließ sich eine Missionsreise nach Birka zusichern. Ansgar bekam vom Kaiser persönlich seine Instruktionen und brach mit dem Mönch Vitmar ein zweitesmal zu einer Nordlandreise auf. Unterwegs stießen sie auf Seeräuber, die ihnen die kaiserlichen Geschenke und die 40 Bibeln und Reliquienkästchen abnahmen. Offenbar herrschte wieder einmal Mangel an Kleiderspangen.
"Mit großer Schwierigkeit setzten sie also die sehr lange Reise zu Fuß fort, wo es sich machen ließ, auf Schiffen über die zwischenliegenden Gewässer, und kamen schließlich zur Hafenstadt im Lande der Svear, Birka genannt". Der schwedische König Björn empfing sie freundlich und gestattete nach Rücksprache mit seinen Vertrauensleuten, daß sie das Evangelium verkündeten. In Birka gab es soviele Religionen und Götter, da kam es auf eine mehr oder weniger nicht an. Den zerstörerischen und jede gewachsene Naturreligion vernichtenden Charakter des Christentums konnte er nicht erkennen. Bereits eineinhalb Jahre später wurde die erste Kirche nahe Birka errichtet. Allerdings war das zunächst der einzige Erfolg der Missionsreise.
Ansgar kehrte zu Kaiser Ludwig dem Frommen, der bekanntgeworden war durch seine Vernichtungsaktionen gegen alles, was an die Kultur unserer heidnischen Vorfahren erinnerte, zurück. Eine große Zahl von Priestern schickte er nun nach Birka, sie sollten das Zentrum sturmreif machen. Er selbst reiste in das dänische Haithabu. In Dänemark hatte sich ein Sohn des ermordeten Königs Godfred zur Alleinherrschaft emporgearbeitet. Er suchte Anerkennung und Bundesgenossen, um seine Herrschaft zu sichern. Ansgar versprach ihm beides, und der arglose König gestattete ihm dafür den Bau einer Kirche, die Ansgar sofort mit seinen Leuten besetzte.
An der Nordfront des Frankenreiches war inzwischen gegen die Dänen die Handelsstadt Hammaburg an der Elbe gegründet worden. Ein viereckiger Wall war aufgeworfen worden, mit hundert Meter innerem Durchmesser, bis zu sieben Metern hoch, geschickt das Gelände ausnutzend, mit starken Holzpallisaden gestützt und verstärkt. 20 000 cbm Erde mußten von Hand bewegt werden - eine bedeutende bauliche Leistung. Man rate einmal, wofür? "Stolz konnte Ansgar seine Taufkapelle in die Mitte der Hammaburg hineinbauen", berichtet der Chronist Rimbert.
Geschichte ist nichts Totes, Geschichte lebt weiter und Geschichte ist voller Ironie, böser Ironie. Als vom 24.7.-3.8.1943 alliierte christliche Soldaten mit 11.000 Tonnen Bomben die Hamburger Innenstadt umgepflügt und dabei 55.000 Frauen, Kinder und Greise umgebracht hatten, wurden einige Pfostenlöcher der Ansgar'schen Taufkapelle freigelegt.
Den Nordleuten schadeten die von der Hammaburg ausgehenden Missionsbemühungen zunächst nicht. Sie planten ganz andere Dinge, nachdem sich die kleinen Raubzüge so gut bewährt hatten. Mit besserer Ausrüstung würde man weit größere Siege erkämpfen können, würde Irland zu gewinnen sein, das von der übervölkerten nordischen Heimat aus besiedelt und urbar gemacht werden könnte.
Die Katastrophe kam 820 über Irland. Die Ulster-Annalen berichten:"Das Meer spie Fluten von Fremden über Erin aus, und es gab keinen Hafen, keinen Landeplatz, keine Befestigung, keine Burg, keine Wehr ohne Flotten von Wikingern und Seeräubern." Die zerstrittenen irischen Kleinkönige wurden hinweggefegt, und die Wikinger bekamen in dem tollkühnen Thorgisl (Turgeis) einen starken Führer, der sich alsbald zum König über die ganze Insel ausrufen ließ und in Dublin, Armagh und Chlonmacnois dem christlichen Klerus zum trotz Thorsopfer verrichtete. Bis 834 ließen die Wikinger sich Zeit und sammelten Kräfte. Dann aber brach für 77 Jahre ununterbrochen ein Sturm über die christliche Welt herein, wie er bis dahin noch nicht zu sehen gewesen war. Das römische Reich wurde gerade zwischen Karl dem Kahlen (Frankreich), Lothar (Lothringen) und Ludwig dem Deutschen (Deutschland) aufgeteilt und war durch die Zwistigkeiten der Brüder stark geschwächt. Besonders die Küstenwachen waren vernachlässigt worden.
Die Wikinger nutzten ihre Chance. Die Dreiteilung des Reiches war ihnen willkommen. Am 12.5.841 segelten dänische Wikinger die Seine aufwärts ins Zentrum des christlichen Frankreichs. Rouen wurde erobert, Asgeir hieß der Führer der Wikinger. 842 wurde die friesische Hafenstadt Quentowic besetzt. 843 segelten norwegische Wikinger auf 67 Schiffen die Loire aufwärts, und die Bewohner von Nantes erlebten das Fest "Johannes des Täufers" auf eine Weise, wie sie es sich nicht hatten träumen lassen. Die Wikinger überwinterten sogar auf einer Insel im Fluß und richteten sich ein, als ob sie für immer zu bleiben gedachten. Ja, sie ließen sogar Frauen und Kinder nachkommen. Für die Verpflegung konnte das umliegende Land sorgen.
845 wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Die drei Reichsteile wurden mit großen Flottenverbänden angegriffen. Der sagenhafte Ragnar Lodbrok segelte mit 120 Schiffen die Seine aufwärts und eroberte Paris. Um ihn und seine Schar loszuwerden, zahlte Karl der Kahle ihm 7 000 Pfund Silber, das seine Grafen aus Bauern und anderen Untertanen herauspreßten, wobei immer ein gutes Teil in die eigene Tasche floß.
Die zweite Flotte segelte nach Spanien und Nordafrika und erobert Sevilla. Die dritte Flotte plünderte die friesische Handelsniederlassung Dorestadt, die vierte segelte gen Hamburg. Dort trafen die Wikinger auf den Missionar Ansgar. Der Chronist Rimbert berichtet:
"Ansgar traf Maßnahmen, um die heiligen Reliquien wegzuschaffen und entkam mit knapper Not, sogar ohne Mantel, während die Priester in alle Richtungen flohen... Die Feinde hatte sich jetzt der Stadt bemächtigt und plünderten alles, was in ihr und dem umgebenden Lande war. Sie kamen am Abend, blieben über Nacht und den folgenden Tag. Nachdem sie alles in Brand gesteckt hatten, zogen sie fort. Dort wurde die Kirche, die herrlich gebaut war unter der Leitung des Herrn Bischof (Ansgar), eingeäschert, zusammen mit dem wunderbar eingerichteten Mönchskloster. Dort ging die prachtvoll geschriebene Bibel, die seine Majestät der Kaiser unserem Pater geschenkt hatte, in Flammen auf, ebenso wie mehrere Bücher. Und alles, was er an Kirchengeräten und anderen Kostbarkeiten zerstört, entweder durch Plünderung oder durch Feuer, daß die Feinde ihn fast nackt entkommen ließen." Waffen aus dem damaligen Kampf wurden vor einigen Jahren aus der Elbe gebaggert.
Warum wüteten die Wikinger so?
Sie hatten ihre ersten Erfahrungen mit dem Christentum gemacht. Ihr Zeitgenosse Karl der "Große" hatte die "Sachsengesetze" zur Zwangsbekehrung der Sachsen erlassen. Die häufigsten Redewendungen darinnen lauten: "Wird mit dem Tode bestraft..., soll getötet werden..., ist bei Todesstrafe verboten..., verfällt dem Eigentum der Kirche..., soll hingerichtet werden. "
Die Wikinger hatten weiterhin gesehen, daß Karl und seine schwachen Nachfolger die Kirche über jedes Maß hinaus bereichert hatten, wobei in erster Linie die Schätze aus den heidnischen Verehrungsstätten geraubt und der Kirche übergeben worden waren. Die christlichen Chronisten verraten ja, daß Klöster und Kirchen "herrlich erbaut" oder "wunderbar eingerichtet" waren. Woher sollte denn der Reichtum kommen, wenn nicht vom Eigentum und der Fronarbeit der germanischen Bevölkerung?
Und noch etwas hatten die Wikinger begriffen. Sie hatten gemerkt, daß sie zwar eine "Religiosität", ein Glaubensgefühl hatten, aber keine "Religion", gleich Lehre, gleich Dogma, die es mit Feuer und Schwert anderen aufzudrängen galt. Die Germanen besaßen Gläubigkeit, Tradition der Verehrung, Sinnbilder für göttliches Geschehen. Ihr Glaubensgefühl war naturnah, ursprünglich. Der christliche Orientalismus hatte allerlei psychologische Tricks erfunden, auf die unsere philosphisch nicht ausgebildeten Vorfahren hereinfielen. Er hatte ihnen eingeredet und eingebleut, daß sie Geschöpfe der Sünde seien, daß sie erlösungsbedürftig seien, daß sie nur durch einen Juden namens Jesus erlöst werden könnten, daß sie Buße tun und sich taufen lassen müßten. Schlichte und einfache Menschen fühlen sich dieser Scheinlogik gegenüber wehrlos. Sie mögen zwar spüren, daß etwas daran nicht stimmt, sie können es aber nicht abstrahieren und ausdrücken. Deshalb hatte man auch keine Möglichkeit, in einen gedanklichen Streit mit den geschulten Priestern und Missionaren einzutreten. Man fühlte sich unterlegen - und das stachelte den Kampfgeist an.
Die Zerstörung der Hammaburg war eine Vergeltungsaktion. Der Überfall störte aber die außerhalb des Ringwalls gelegene Kaufmannssiedlung nicht. Sie entwickelte sich erfolgreich weiter. Nur Ansgar war ein Bischof ohne Sitz geworden, der tief betrübt nach Bremen zog, von wo aus er die weitere "Bekehrung" des Nordens plante. In Ruhe lassen wollte er die Nordleute nicht, er hatte ganz die orientalische Art angenommen und war vom christlichen Wahn, jedermann und alles bekehren zu müssen, besessen. Und da seine bisherigen Missionsreisen keinen Erfolg gezeigt hatten, beschloß er 849 erneut, nach Birka zu fahren. Diesmal kam er höchst ungelegen, die Wikinger hatten wiederum andere Sorgen und interessierten sich nicht für einen orientalischen "Gottessohn" zweifelhafter Abkunft, der sie unbedingt von irgendetwas erlösen mußte und hauptsächlich nur jammerte und drohte.
Viele Wikingersöhne hielten Ausschau nach besiedelbarem Land. In ihrer Heimat war landwirtschaftlich nutzbarer Boden äußerst knapp geworden. Viele segelten südwestwärts. Die Färöer-Inseln wurden genommen, nachdem die dort ansässig gewesenen Mönche geflohen waren. Ebenso die Orkney-Inseln, die Shettlands und Nord-Schottland. Die Feinde der Wikinger mußten eingestehen: "Die Normannen sind schön und von edler Gestalt, gewandt und kühn, sie wohnen auf den Meeren und leben auf ihren Schiffen". Zur See waren sie unbedingt überlegen und fühlten sich dort sicherer als auf dem Festland. Deshalb bevorzugten sie den Seeweg südwestwärts und richteten Stützpunkte auf den Hebriden und den Inseln vor Schottlands Westküste ein. Funde von Schwertern belegen, daß dies um etwa 800 gewesen sein muß. Auf Oronsay wurde eine Frau in einem Schiff beerdigt, eine im Norden seltene, aber sicher belegte Sitte. Solche Gräber zeigen uns die urtümliche Gleichberechtigung der nordischen Frauen gegenüber den Männern.
Besonderen Reiz übte auf die Wikinger die in der irischen See zentral gelegene Insel Man aus. Hier entstand eine Wikingerkolonie, deren Gesetze bis heute fast unverändert geblieben sind. Auf einem Thinghügel, dem Tynwald Hill, werden heute noch die neu hinzukommenden Gesetze verkündet und die Könige ausgerufen, so auch Queen Elisabeth II. im Jahre 1952.
Europa war den Wikingern allmählich vertraut geworden. Es entsprach recht gut dem Weltbild unserer Mythologie: Eis im Norden - Niflheim - und Hitze im Süden - Muspelheim. Dazwischen - in Midgard, dem Hof der Mitte - war und ist es für uns am wohnlichsten. Soviel hatten sie bereits erfahren. Aber was war hinter dem Rand des Nordatlantiks? Vermutungen darüber gab es schon. Erzählungen von Seeleuten, die wochenlang im Sturm auf dem Nordatlantik umhergetrieben waren, irgendwo Land gesehen hatten oder an unbekanntes Land gegangen waren, machten die Runde. Ein Schwede namens Gardar Svarvarsson, Hofbesitzer auf der dänischen Insel Seeland, mit einer norwegischen Wikingerin verheiratet, Erbe eines Gutes auf den Hebriden, geriet bei den Orkneys in einen Sturm, trieb weit umher und bekam dabei eine große Insel zu Gesicht. Er benannte sie ganz einfach nach sich selbst: Gardarholm. Das war etwa 860. Kurz darauf wurde ein Norweger namens Nadd Odd auf dieselbe Insel verschlagen. Er nannte sie "Schneeland". Wieder in Norwegen zurück, erzählte er davon. Das Schneeland lockte Floke Vilgerdsson und er segelte mit Familie, Vieh und Hausrat nach der Insel, nach Island. Wahrscheinlich waren die Wikinger nicht die ersten Entdecker Islands, denn der irische Geograph Diucil berichtet, daß er etwa 795 einige christliche Priester getroffen hatte, die in "Thule" gelebt hatten. "Die christlichen Menschen waren aber fortgezogen, weil sie mit den ankommenden Heiden nicht in einem Land leben wollten".
Aber die germanische Duldsamkeit gegenüber zersetzenden und die eigene Identität zerstörenden Lehren kostete schon immer ihren Preis. Sie hat uns letztlich um rund 1.500 Jahre Eigenentwicklung gebracht. Daher sollten wir sehr mißtrauisch sein, wenn heutzutage wieder verstärkt alle möglichen "Heilsbringer" und "Erlöser" uns mit ihren Verheißungen nachstellen. Bleiben wir bei dem, was wir haben und was unser ist.
Die Isländer waren unvorsichtig und arglos. Sie ließen christliche Missionare auf ihre Insel. Diese gingen nach bewährtem Muster vor: Zuerst wurden die Unzufriedenen, Erlösungsbedürftigen, Wankelmütigen und das Gesindel aufgesucht und "bekehrt". Damit wurde der Orientalismus ein Gesprächsthema, Unsicherheit gegenüber den alten Bindungen und Sittengesetzen wurde ausgestreut. Durch List und Täuschung wurden die Heiden Schritt um Schritt verdrängt, bis sie in den Fängen dieser "heiligen" Kirche waren, der man viele Jahrhunderte lang nicht entkommen konnte.
Um 900 wurde ein Landsucher auf dem Weg nach Island mit seinem Boot im Sturm noch weiter westwärts getrieben. Er sichtete einige Inseln und nannte sie nach sich: Gunnbjörn-Inseln. Als er schließlich doch noch Island erreichte, erzählte er davon. Aber es dauerte noch bis 982, ehe sich jemand wieder daran erinnerte. Das war Erik der Rote - notgedrungen. Erik war ein leicht reizbarer Mann. Sein Vater war wegen "einiger Totschläge" aus Westnorwegen vertrieben worden und mit der ganzen Familie nach Island gezogen. Erik selbst hatte in einem Kampf zwei Söhne seines Gegners erschlagen und auf dem Thing wegen dieser Tat zu wenige Fürsprecher erhalten. Er wurde für drei Jahre von der Insel Island verbannt. Mit 20 Kameraden segelte er westwärts, nach Grönland und erforschte die Insel so genau wie möglich. Er gründete zwei Siedlungen, die Ostsiedlung und die Westsiedlung und kehrte nach drei Jahren zurück nach Island. Er berichtete von der riesigen Insel, der er den Namen "Grönland" gegeben hatte und stellte nüchtern fest:
"Die Leute werden lieber dorthin gehen, wenn das Land einen anziehenden Namen hat".
In Island war inzwischen das Christentum den Einwohnern bedrohlich nahe auf den Leib gerückt. Stück um Stück war die alte Freiheit der Heiden von den Geboten, Vorschriften, Bußübungen und Kasteiungen der Orientalen eingeengt worden. Erik sah das mit Entsetzen. Er sammelte eine Schar tüchtiger Männer und wagemutiger Frauen und fuhr vor 1000 Jahren, im Frühling des Jahres 986, mit 25 Schiffen westwärts. Wahrscheinlich geriet die Flotte bei der Überquerung des unterseeisch gelegenen nordatlantischen Vulkanrückens in ein Seebeben. Nur 14 Schiffe erreichten das Ziel, Grönland.
Das Leben in Grönland war hart, aber erträglich. Es gab einen natürlichen Reichtum an Fischen, Walen, Robben, Vögeln, Hasen, Bären und Rentieren. Als Island im Jahre 1000 den Orientalen völlig zum Opfer gefallen war, lebten in Grönland bereits 3.000 Wikinger, die aus dem biologischen und kulturellen Erbe ihrer Vorfahren heraus echte, freie Heiden sein konnten. Sie hatte ihren/unseren Göttern ein neues Land gewonnen. Das Glück währte auch hier nicht lange, denn der Feind wurde ins Land geschleust - von unseren eigenen Leuten, wie so oft!
Bjarne Herjulfsson, ein junger Mann, kam gerade von Norwegen nach Island gesegelt, als Eriks Flotte Island verlassen hatte. Bjarne wollte seinen Vater Herjulf besuchen. Ihm wurde nun berichtet, daß sein Vater mit Erik nach Grönland gesegelt sei. Bjarne, ein echter Wikinger, drehte sein Schiff in den Wind und segelte als 26. Schiffchen auf eigene Faust der großen Landnahmeflotte Eriks des Roten nach. Einsam, über den völlig unbekannten Nordatlantik! Er kam auch prompt in Schwierigkeiten. Nebel zog auf und trieb ihn südwärts mit dem Polarstrom, bis er Land sichtete. Dieses sah aber ganz anders aus als die Beschreibung von Grönland, die man ihm in Island gegeben hatte. Es zeigte keine Gletscher und war bewaldet. Er hatte, ohne es zu wissen, Amerika entdeckt und zwar bei Kap Chidley im Nordosten Labradors. Bjarne hielt sich nicht lange damit auf. Er ahnte wohl, daß er zu weit nach Westen getrieben war und wendete sein Boot nach Nordost. Vier Tage segelte er hart vor dem Wind bis er eine Bucht sah, in der ein Boot lag. Er ging an Land - und traf seinen Vater Herjulf. Noch heute heißt diese Bucht in Grönland "Herjulfsnes"-Bucht.
Seeleute erzählen selbstverständlich von ihrem Fahrten. Bjarnes Erzählung von dem bewaldeten Land, das westlich von Grönland lag, hörte Leif Eriksson, der Sohn Eriks des Roten. Auch er war ein guter Seemann, und da sein Interesse geweckt war, kaufte er Bjarnes Schiff, um das im Westen gesichtete Land näher zu erforschen. Er fand es auch wieder, nannte den felsigen nördlichen Landesteil "Helluland" (hell = Felsenplatte), heute Baffins-Land, den südlichen Teil "Markland" ( Waldland), heute Labrador, und stieß noch weiter südlich auf eine Gegend, in der wilder Wein wuchs. Er nannte sie "Vinland". Leif errichtete Hütten, die "Leifsbauden", und segelte wieder zurück nach Grönland.
Als Ergänzung zu dem "Christopher-Columbus-Tag" am 12.10. eines jeden Jahres hat der amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson den "Leif-Erikson-Tag" eingeführt, der am 9.10. eines jeden Jahres gefeiert werden kann. Wir sollten uns diesen Tag merken.
Nachdem Leif in Grönland wieder angekommen war, erzählte er seinem Bruder Thorvald Eriksson von seiner Entdeckung. Thorvald kaufte seinem Bruder Leif das Schiff ab und segelte im Jahre 1004 von Grönland nach Amerika. Er fand auch bald die "Leifsbauden" wieder, und es entstand nach und nach eine Siedlung von rund 200 Menschen. Viele Wikingerkinder wurden hier in Amerika vor fast 1000 Jahren geboren. Die Siedlung mußte heftig gegen die Angriffe der Indianer verteidigt werden, Thorvald selbst fiel durch einen Pfeilschuß. Dennoch konnte die SiedlLng sich halten, weil ihr Versorgungsgüter (Pferde, Waffen, Eisen) aus Grönland nachgeschickt wurden. Eine Kolonie ist in der Anfangszeit immer auf den Nachschub des Mutterlandes angewiesen.
Die amerikanische Kolonie der Wikinger mußte aufgegeben werden, die Bewohner wieder nach Grönland zurückkehren, weil plötzlich der Nachschub ausblieb, genau zu dem Zeitpunkt, als auch Grönland christlich geworden war.
Wie war es zu dieser Katastrophe gekommen? Grönland, das freie germanische Land, in dem Erik der Rote einen Wikingerstaat aufzubauen begonnen hatte, war an das Christentum verraten worden - von Leif Eriksson. Und mit dem Fall Grönlands fiel auch die amerikanische Kolonie in Vinland und die Möglichkeit, Tausenden oder gar Millionen von unseren Menschen eine freie, nordische, heidnische Heimat zu gewinnen in einem Land der (damals noch) unbegrenzten Möglichkeiten.
Erik der Rote hatte seinen Sohn Leif von Grönland nach Norwegen geschickt, damit er sich umsehen, gute Sitten erlernen und die alte Heimat kennenlernen konnte. Wohl sollten auch Handelsbeziehungen gefunden und gefestigt werden, denn Grönland brauchte bei seiner wachsenden Menschenzahl alle möglichen Handelsgüter. Erik hatte mit dieser Entsendung einen schweren Fehler gemacht, denn er hatte seinen Sohn in ein gerade christlich gewordenes Land geschickt, in dem die Christen jede nur sich bietende Möglichkeit der Festigung ihrer Macht ergriffen. Sofort setzten sie Leif Eriksson unter Druck, blendeten ihn mit Glanz und Prunk und Versprechungen und machten ihn zum Sendboten für die Missionierung und damit den Tod der grönländischen und amerikanischen Wikingersiedlung. Auch heute noch machen heidnische Eltem denselben Fehler und lassen ihre Kinder aus Bequemlichkeit oder Furcht vor Schwierigkeiten oder aus Feigheit im aufgezwungenen Religionsunterricht der Schulen. Sie denken ebensowenig an die Folgen, wie Erik der Rote.
Leif hätte Weltgeschichte machen können, wenn er nach seiner Rückkehr in Grönland Männer und Frauen und Schiffe zur Kolonisierung des reichen amerikanischen Kontinents gesucht hätte. Er hätte seinen Vater übertreffen können und unserer Menschenart einen riesigen Lebensraum gewinnen können. Aber er konnte und wollte das offenbar nicht. Amerika sah er nie wieder, stattdessen bekehrte er nun unter den sorgenvollen Augen seines altgewordenen Vaters. Leif war seelisch gebrochen worden und handelte, als "ob er keine Tradition kenne, keine Familie habe, der er verpflichtet sei", nach dem Spruch des Neuen Testaments "hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Weib". "Herauserlöst" aus aller Sippe zerstörte er alle Bindungen und Erinnerungen an die kühnen Vorfahren. Und da überall, wo das Christentum auftaucht, nicht nur die innere, geistige Freiheit heidnisch denkender Menschen zerbrochen wird, sondern auch die materielle Freiheit verschwindet, wurden bald Steuern und Abgaben eingeführt und mit dem Bau von Kirchen begonnen. Das auf Einfuhren angewiesene Grönland mußte jetzt Walroßelfenbein, Häute und Felle als Abgaben nach Norwegen liefern. 200 Jahre später gab es in Grönland keine echten Wikinger mehr. Sie hatten sich mit den vordringenden Eskimos vermischt und waren untergegangen.
Aber auch im übrigen Nordeuropa gab es keine echten Wikinger mehr, bei denen ein Gleichklang zwischen äußerer Erscheinung und innerem, seelischen Erleben vorhanden war. Die nordischen Länder waren allesamt christlich geworden, und auch die Handelsbeziehungen hatten sich geändert. Die nordischen Könige verschwendeten ihre Kraft mit der Zwangsmissionierung ihrer Untertanen, anstatt ihnen neue Länder zu erschließen. So entglitt ihnen mehr und mehr der Handel in den Nord- und Ostseegebieten: Die deutsche Hanse trat ins Licht der Geschichte.
Dr. Wielant Hopfner
Brand brennt vom Brande, bis er entbrannt ist,
Feuer fängt Leben aus Feuers Samen. -
Auch der Mensch gibt den Funken dem Menschen weiter.
Volkes Lohn erlösche nie!
(Aus der Edda)

