Der Hörnerhelm (ein Irrtum aber woher?)

Eines der am weitesten verbreiteten Klischees über Wikinger ist der Hörnerhelm. Warum das öffentliche Bild der Wikinger so von ihm geprägt ist, ist unklar - vielleicht liegt's an Hägar oder Wickie? Sicher ist nur, dass die Kelten den Hörnerhelm durchaus kannten. Sie benutzten zu kultischen Handlungen Helme, denen Hörner oder Tierreliefs aufgesetzt waren - wahrscheinlich damit der Träger grösser und imposanter wirkte. Aus der Wikingerzeit ist allerdings kein einziger Hörnerhelm bekannt, und zu kriegerischen Handlungen legten auch die Kelten den unbequemen, weil schweren, Helm mit Zierrat ab.

Betrachtet man die kriegerische Seite wird auch schnell klar wieso ein Hörnerhelm unbequem und vor allem höchst gefährlich für den Träger selbst ist. Wofür wird ein Helm gebraucht? Um Schläge gegen den Kopf abzufangen. Dabei soll die gegnerische Waffe möglichst am Helm abprallen. So wird dem Schlag die Wucht genommen und die Klinge dringt nicht bis zum Schädel durch. Was aber passiert, wenn die wuchtige Waffe sich an einem Horn verfängt? Die ganze Wucht des Schlages trifft auf einmal in einer seitlichen Bewegung nach unten auf den Kopf - ein Genickbruch ist die wahrscheinlichste Folge.

"Wenn einer sich als »Wikinger« verkleiden will, setzt er sich einen Helm mit Kuhhörnern auf. So erscheint der martialische Kopfputz heutzutage überall auf Faschingsfesten, bei Wikingerrevivals und in Fußballstadien, wenn die Mannschaft eines skandinavischen Landes um Meisterehren spielt. Daß dieser Brauch auch schon von früheren Geschlechtern geübt wurde, zeigt ein Photo von 1869, auf dem Damen und Herren der Stockholmer Gesellschaft zu sehen sind, die sich für einen Kostümball in Schale geworfen haben - gerüstet mit Schilden und Speeren, auf den Köpfen die unvermeidlichen Hörnerhelme. Dem Ganzen liegt ein populärer Irrtum zugrunde. Die wenigsten Wikinger trugen überhaupt Helme, aus Kostengründen mußten sich die meisten mit einer Lederkappe behelfen, und wer einen Helm besaß, der hätte nicht daran gedacht, diesen mit Hörnern zu versehen. Ein Helm muß so gebaut sein, daß Schläge an ihm abgleiten, und diese Funktion konnte ein Hörnerhelm just nicht erfüllen, sein Träger wäre damit obendrein im Kampfgetümmel oder in der Takelage seines Schiffes hängengeblieben. Es wurde denn auch in den Gräbern der Wikingerzeit unter allen Beigaben kein Hörnerhelm gefunden, literarische Erwähnungen fehlen gleichfalls. Einziges »Beweismittel«, wenn man so will, sind Darstellungen aus der Vorwikingerzeit, die jedoch den Hörnerhelm (oder das, was man dafür halten kann) als Zubehör von Priestern oder Magiern ausweisen." aus Reinhard Barth: Taschenlexikon Wikinger

Die größte Fehlinformation über die Wikinger ist das Bild der Hörnerhelme, das im 18 Jahrhundert aufkam. Der einzige Helm, der für diese Beschreibung in Frage käme, wurde bei Vikso in Dänemark gefunden, hat 2 S-förmige Hörner und stammt aus der späten Bronze Zeit, ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (800-400 vChr.). Sogenannte Bildbelege mit Hörnerhelmen entpuppten sich als Abbildungen von Odin mit den raben Huginn und Munnin.

Welche Helme trugen die Wikinger wirklich?

Helme, genauso wie Brünnen und Schwerter, waren meist Eigentum von wohlhabenden Stammesmitgliedern, den Häuptlingen, Jarls, Königen und hochgestellten Kriegern. Es war sehr selten, daß der normale Durchschnitts- Wikinger" einen Helm trug. Die ältesten gefundenen skandinavischen Helme zeigen deutliche Einflüsse der römischen Kavalleriehelme. Diese Stücke nennt man für gewöhnlich "Vendelhelme", nach ihrem Fundort in Schweden, wo die ersten Exemplare gefunden wurden. Die Vendel-Kultur geht der Kultur der Wikinger voraus. (400 - 600 n.Chr.) Der Helm von Sutton Ho ist der berühmteste Fund aus dieser Zeit.

Helm von Gjermundbu


Der einzige Helm, der eindeutig den Wikingern zugeordnet werden kann ist der Helmfund von Gjermundbu, allerdings bestehen hier Zweifel, dass er jemals als Gefechtshelm konzipiert war, da seine Verarbeitung als sehr mangelhaft beschrieben wird, ein sakraler Charakter, quasi ein Totenhelm erscheint plausibel.